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Es war im Jahre 1923. Noch überall zeigten sich die Spuren des verlorenen l. Weltkrieges. Viele Eisenbacher blieben in der Fremde und verlegten ihre Wohnung an ihren Arbeitsort. Die meisten Männer unseres Dorfes aber waren arbeitslos. In dieser Zeit nahm der Fußballsport in Eisenbach seinen Anfang. Am 17. September 1923, also im gleichen Jahr, wurde der Fußball-Club „Vorwärts” ins Leben gerufen. Die Gründungsversammlung fand in der Wirtschaft Steinebach statt. Fast die gesamte Dorfjugend beteiligte sich an der Zusammenkunft. Als Vorstandsmitglieder des neu gegründeten Vereins wurden gewählt: 1. Vorsitzender: Josef Schmidt, 2. Vorsitzender: Peter Böcher, 1. Schriftführer: Franz Bäcker, 2. Schriftführer: Georg Hartmann, 1. Kassierer: Franz Hartmann, 2. Kassierer: Eugen Schwan, Spielleiter: Franz Kühn. Der Vorstand hatte kein leichtes Amt übernommen. In der Anfangszeit gab es mannigfache Schwierigkeiten zuüberwinden. Ein Fussball stand dem Verein zu dieser Zeit noch nicht zur Verfügung, die Vereinskasse war leer. Die ersten Trainingsspiele wurden mit einem kleinen Gummiball ausgetragen, als Übungsgelände wurden notgedrungen die Wiesen unterhalb des Dorfes benutzt. Nach Wochen des Sparens, an dem sich alle Mitglieder beteiligten, konnte dann der erste Fussball gekauft werden. Der Kaufpreis des Balles belief sich auf 725 Millionen Reichsmark (Inflationszeit). Die Anfangsschwierigkeiten aber waren lange noch nicht überwunden. Dem Verein wurde polizeilich untersagt die Wiesen, weiterhin zum Fussballspielen zu benutzen. Erst jetzt begann die eigentliche Bewährungsprobe für den neu gegründeten Verein. Nach langwierigen und zähen Verhandlungen gelang es, einen Platz auf dem Gelände einer stillgelegten Tongrube auf dem Berg zu finden, der in der Folgezeit spielfähig gemacht werden musste. In unermüdlicher Gemeinschaftsarbeit, an der sich alle Vereinsmitglieder beteiligten, wurden Meter um Meter für den beabsichtigten Zweck nutzbar gemacht. Bohr- und Probelöcher waren auf dem Gelände bald nicht mehr zu sehen; auch die übrigen Erdarbeiten, die in der heutigen Zeit ohne die Inanspruchnahme von Maschinen nicht mehr auszuführen wären, machten durch die Mithilfe jedes einzelnen Mitglieds gute Fortschritte. Es war ein grosser Tag für den Fussball - Club .Vorwärts", als der Platz nach anstrengender und mühevoller Arbeit so angelegt war, dass auf ihm das erste Fussballspiel ausgetragen werden konnte. Die Mannschaft von Oberselters, die damals bereits eine beachtliche Rolle im Fussballsport der näheren Umgebung spielte, war der erste Gegner. Die Mannschaftsaufstellung von Eisenbach lautete: Alfons Much, Alfons Erwe, Peter Böcher, Wilhelm Weichel, Albert Michel, Jakob Gattinger, Franz Hartmann, Bernhard Stahl, Wilhelm Böcher , Eugen Schwan und Josef Schmidt
Die Spielerkleidung der ersten Vereinsmannschaft des Fussball- Club „Vorwärts" bot ein farbenfrohes Bild. Ein einheitliches Trikot war zu dieser Zeit noch nicht vorhanden. Jeder Spieler wählte als Sportkleidung das, was ihm zur Verfügung stand und zum Anziehen geeignet erschien. Leder- und Wickelgamaschen, Pullover, Unterhemden, Sporthemden - alles war vorhanden. Mit den Schuhen war es nicht anders; abgetragene und ausgetretene Arbeitsschuhe waren aus dem Spielgeschehen anfangs nicht wegzudenken. Diese Äusserlichkeiten spielten zur damaligen Zeit noch eine untergeordnete Rolle. Im Vordergrund standen die Kameradschaft und das Zusammengehörigkeits-gefühl. Fast alle Ausgaben mussten durch freiwillige Spenden aufgebracht werden, die Einnahmen waren in den ersten Jahren sehr dürftig. Die Sportplatzeinnahmen reichten allein nicht aus, um die notwendigsten Ausgaben zu tragen. Am 8. 6. 1924 wurden z. B. 7,25 RM an Eintrittsgeldern vereinnahmt; am 16. 11. 1924 waren es 4,25 RM. Die ersten Trikots (in den Vereinsfarben Grün-Weiß) wurden am 10. 10. 1924 gekauft, die Anschaffungskosten betrugen 60,50 RM. Die Mitgliederzahl stieg von 68 im Jahre 1925 auf 88 Mitglieder im Jahre 1926 . Die ersten Vereinsabzeichen wurden am 1. 11. 1926 gekauft. Der Fussball - Club „Vorwärts" gewann immer mehr an Bedeutung. Er war mit seinen sporttreibenden Mannschaften in unserer näheren und weiteren Fussballheimat nicht mehr wegzudenken. Im Jahre 1954 erlebte er durch den Zugang der Spieler der „Deutschen Jugendkraft" einen weiteren Aufschwung. Die 1. Mannschaft errang die Meisterschaft der A-Klasse und gewann anschliessend die 3 Aufstiegsspiele gegen Nassau, Michelbach und Friedrichssegen. Der Weg in die Bezirks-Klasse wurde dadurch geebnet. Der Verein erlebte einen starken Aufschwung. Es wurde ein Fussball gespielt, der sich sehen lassen konnte; noch heute erinnert man sich gern an die spannenden und hinreissenden Spiele. Die folgenden Jahre sahen den Fussball - Club .Vorwärts" aufblühen, bis im Herbst 1939 der 2. Weltkrieg die Fussballspieler unter die Fahne rief. Der Tod hielt blutige Ernte und viele Sportkameraden kehrten nicht mehr in die Heimat zurück. Nach dem 2. Weltkrieg wurden auf Beschluss der Militär - Regierung zunächst alle Vereine aufgelöst. Nur zögernd begann wieder nach und nach die Vereinstätigkeit. Am 19.8.1945 fand in der Schule eine Zusammenkunft aller Sportinteressierter statt. Es wurde beschlossen, den Fussball - Club „Vorwärts" als Juni- und Sportverein" wieder ins Leben zu rufen. Die Vorstandswahl erfolgte in der Generalversammlung am 26.8.1945. Bereits am gleichen Tage wurde auch der Fussballsport wieder aufgenommen.
Unsere 1. und 2. Mannschaft spielten gegen die gleichen Mannschaften von Niederbrechen auf dem Sportplatz in Niederbrechen. In der Folgezeit wurde der Sportplatz wieder spielfähig hergerichtet. Es wurden neue Tore aufgestellt und oberhalb des Platzes Gräben zum Ablaufen des Wassers gezogen, der Sportplatz wurde eingezäunt und auf der rechten Seite Sitzbänke erstellt. Die spielerischen Leistungen der Vereinsmannschaften steigerten sich von Jahr zu Jahr. Die l. Mannschaft errang in der Spielzeit 1947/48 in der A-Klasse Limburg den Gruppensieg und die Kreismeisterschaft des Sportkreises Limburg. Die Jugend-Mannschaft erkämpfte 1948 den Gruppensieg und wurde Kreismeister. In der Spielzeit 1951/52 wurde die 1. Mannschaft Meister der A-Klasse.
In der Generalversammlung am 19.1.1952 wurde beschlossen, den Sportplatz zu vergrössern. Die durchzuführenden umfangreichen Erdarbeiten stellten den Verein vor grosse Probleme. DieEinweihung des neu angelegten Sportplatzes fand am 2.8.1953 in Verbindung mit einem Sportfest statt. In den folgenden Jahren konnte der Verein zahlreiche grosse und stolze Erfolge verzeichnen.Im Jahre 1957 errang die 1. Mannschaft den Gruppensieg und erreichte damit wieder den Aufstieg in die A-Klasse Limburg. In der A-Klasse spielte die erste Mannschaft in den folgenden Jahren eine bedeutende Rolle, musste allerdings nach 9 jähriger Zugehörigkeit im Jahre 1966 zurück in die B-Klasse. Dort war Eisenbach lange unter den bestplacierten Vereinen zu finden und schaffte 1974 den Aufstieg in die A-Klasse, die 1991 in die Bezirksliga umgewandelt wurde, und gehörte dieser bis 1999 an. Grössere Erfolge auf Turnieren und gutes Abschneiden in Pokal- und Privatspielen bestätigten, dass Eisenbach zu den Spitzenmannschaften der Bezirksliga zählte.
Stolz ist der Verein auf seine Sportanlage mit Flutlicht und Vereinsheim. Die Flutlichtanlage gehört zu den Errungenschaften der letzten Jahrzehnte und gehört zu den besten Anlagen unseres Kreisgebietes.Nur wer die Details dieser Anlagen und die Schwierigkeiten der heutigen Zeit in Bezug auf freiwillige und ehrenamtliche Mitarbeit an solchen Objekten kennt, kann ermessen, welche Initiativen notwendig waren, um diese Projekte fertig zustellen und welcher Einsatz und welche Bereitschaft notwendig sind, um die Anlagen zu erhalten bzw. ständig zu pflegen und zu verbessern. Der Aschenplatz wurde Mitte 1988 abgetragen und in einen Rasenplatz umgewandelt. Zur Einweihung des herrlichen Rasen am 30.7.1989 spielte die komplette A-Nationalelf Bulgariens (u.a. mit Stoitchkov) gegen die erste Mannschaft des TuS Eisenbach. Trotz erbitterter Gegenwehr unterlag der TuS mit 0:11.
Im Sommer 1991 wurde mit einem Anbau neben dem Vereinsheim begonnen, der seit seiner Fertigstellung als zusätzliches Wirtschaftsgebäude (u.a. beim Bürgerfussballturnier) genutzt wird. Im Jahre 1993 feierte der Verein sein 70jähriges Jubiläum. Das Fest wurde mit einer Pop-Nacht eröffnet, fand seine Fortsetzung mit dem Kommers in der in den Vereinsfarben grün und weiß geschmückten Festhalle und endete mit dem traditionellen Frühschoppen am Sonntag. Die heimische Presse hob in ihrer Berichterstattung die „herausragende" Rolle des Turn- und Sportvereins im vielfältigen Vereinsleben des Dorfes hervor. Im Januar 1995 kam es zum ersten Mal zu einem Spiel einer Jugendmannschaft des TuS gegen ein Bundesliga - Nachwuchsteam. Die D-Jugend spielte im Rahmen des Hallenfussballturniers in der Höchster Ballsporthalle gegen die Gleichaltrigen des Traditionsvereins von Eintracht Frankfurt. Vor annähernd 6.000 Zuschauern konnte man in einem sehenswerten Spiel die Niederlage (0:4) in Grenzen halten.
Mitte der neunziger Jahre begann eine sportlich erfolgreiche Pokalzeit des TuS. Die l. Mannschaft konnte 1995 bis ins Halbfinale des Kreispokals einziehen, scheiterte dort aber knapp gegen den alten Rivalen aus Villmar. Der zweiten Mannschaft gelang es sogar, in einem dramatischen Viertelfinale den klassenhöheren SV Elz im Elfmeterkrimi auf eigenem Platz aus dem Pokal zu werfen und ebenfalls das Halbfinale zu erreichen. Dort musste man den schweren Gang nach Niederbrechen antreten. Was keiner für möglich hielt, wurde zur Gewissheit Nach spannenden 120 Minuten hatte man den Bezirksoberligisten mit 4:3 aus dem Rennen geworfen und zog ins Kreispokalfinale ein. Und im Mai 1995 war ein grosser, wenn nicht der grösste Erfolg in der70jährigen Geschichte des TuS, perfekt:
Die Reserve des TuS Eisenbach holte das Double! - Meisterschaft und Pokal innerhalb von 4 Tagen -
Nach mässigem Saisonstart ging es stetig aufwärts und in der Rückrunde begann die grosse Aufholjagd. Man blieb in der gesamten Rückrunde ohne Niederlage und erzielte dabei 29:3 Punkte! Im letzten Heimspiel wurde gegen den VFR 07 Limburg die Meisterschaft unter Dach und Fach gebracht.Hatte man die Meister-Feierlichkeiten gerade hinter sich gebracht liess die Reserve drei Tage später auch den Kreispokalsieg folgen. Gegen die SG Nord ging man als leichter Favorit ins Rennen und siegte letztendlich souverän mit 4:1 Toren (3 Treffer durch Mark Petry) Das Double war perfekt! Spielführer Jürgen Deisel nahm aus den Händen des Klassenleiters den Pokal und gleichzeitig die Meisterurkunde entgegen.
Am 21. Juni 1996 trat der bisherige l. Vorsitzende Günter Hofmann im Rahmen der Generalversammlung aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt zurück und Uwe Erwe wurde zum neuen Vorsitzenden gewählt. In Anerkennung seiner Verdienste wurde Günter Hofmann zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Nur kurz darauf musste der Verein einen schweren Schicksalsschlag verkraften. Günter Hoffmann verstarb am 17. Juli 1996 im Alter von nur 53 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit Er gehörte 40 Jahre dem TuS an. Neben seiner aktiven Laufbahn als Spieler in sämtlichen Mannschaften des TuS, war er Jugendbetreuer, Spielausschussvorsitzender und fungierte 14 Jahre als Vorsitzender. Aufgrund seiner Krankheit war ihm eine weitere Amtszeit nicht vergönnt. Beim Bau des neuen Rasenplatzes erwarb sich Günter Hofmann ebenso grosse Verdienste wie bei der Renovierung und Erweiterung des Sportheims. Die auch heute noch finanziell gesunde Basis des Vereins ist nicht zuletzt auf seine sorgfältige Arbeit und sein unerschütterliches Engagement zurückzuführen. Er genoss grosses Ansehen im Verein und pflegte stets den Kontakt zu den Mitgliedern. Sein Motto war bezeichnend für seine Einstellung:„Ich bin wohl Vorsitzender des Vereins, sehe mich aber in allererster Linie als erster Diener". Unter grosser Anteilnahme der Vereinsmitglieder und der Bevölkerung wurde Günter Hofmann am 22. Juli 1996 in Eisenbach zu Grabe getragen. Sein Geist lebt noch heute im TuS weiter.
Weitere sportliche Erfolge ausserhalb des Fussballs erwarb sich der TuS in den letzten Jahren durch einige Siege und etliche gute Platzierungen beim Vereinsschiessen, dem Bürgerkegelturnier und dem Bürgertischtennisturnier. Im Jubiläumsjahr 1998 zählt der TuS knapp 300 Mitglieder. Geleitet wird der Verein von Uwe Erwe, der am 21. Juni 1996 die Nachfolge des leider viel zu früh verstorbenen 1..Vorsitzenden Günter Hofmann angetreten hat.
Die Aktivitäten und Errungenschaften des TuS genießen in Eisenbach seit jeher großes Interesse. Der TuS steht oft im Blickpunkt der interessierten Dorföffentlichkeit. Seine sportlichen Leistungen obliegen stets einer kritischen Beobachtung in Eisenbach. Mit ein wenig Stolz blickt man auf die vergangenen 80 Jahre Vereinsgeschichte zurück. Der TuS wünscht sich eine gute Weiterentwicklung, verbunden mit der Hoffnung, dass der Fußball auch in Zukunft seine Faszination behält und den Kindern und Jugendlichen eine fußballerische Perspektive in Eisenbach geboten wird. Das Leben des Vereins muss auch weiterhin von einer harmonischen Vereinsarbeit geprägt sein.
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